6 Kapitel 2 – Verschiedene Methoden der Tulpenproduktion Tulpen müssen einer Kältebehandlung unterzogen werden Nach dem Roden benötigen die Zwiebeln ausreichend Wärme, damit sich die Blüte in der Zwiebel gut entwickeln kann. Anschließend müssen die Zwiebeln einer Kältebehandlung unterzogen werden, damit sie eine ausreichende Stiellänge entwickeln und blühen können. Bei der Freilandkultur in Regionen mit ausreichend tiefen Temperaturen im Winter erhalten die Tulpenzwiebeln von Natur aus die nötige Kühlung. Tulpen, die bereits vor den Wintermonaten Kälte ausgesetzt sind, können vor ihrem natürlichen Zeitpunkt zur Blüte gebracht werden. Diese Methode, Tulpen schneller als in der Freilandkultur zur Blüte zu bringen, nennt man Treiben. Je nach Klima des Ortes, an dem die Tulpenzwiebeln produziert wurden, ist schon eine Blüte ab Dezember möglich. Das Klima, in dem die Zwiebeln produziert werden, beeinflusst die Entwicklung des neuen Tulpentriebs bis zum Zeitpunkt des Rodens und sogar darüber hinaus. Die Blüte der Tulpen kann nicht nur vorgezogen, sondern auch verzögert werden. Seit einigen Jahren werden sogar von September bis November Schnitttulpen auf den Markt gebracht. Diese so genannten “Eistulpen” entstehen aus Zwiebeln, die über einen langen Zeitraum bei tiefen Temperaturen gelagert wurden. Heutzutage werden Tulpenzwiebeln auch in Ländern der Südhalbkugel produziert. Da die Entwicklung dieser Zwiebeln um sechs Monate verschoben ist, können sie auch im Herbst zum Blühen gebracht werden. Um den Beginn der Kühlung vorziehen zu können, müssen die Zwiebeln zuvor verschiedenen Temperaturbehandlungen ausgesetzt werden. Entscheidend dabei ist, dass man die Zwiebeln erst dann kühlen darf, wenn die Blüte im Zwiebelinneren vollständig angelegt ist. Als kühl empfinden Tulpen Temperaturen von 9°C und darunter. Höhere Temperaturen wirken sich folgendermaßen aus: - kürzere Blütenstiele - längere Gewächshausperiode - schnellere Ausbildung von Trieben und Wurzeln Es gibt unterschiedliche Methoden für die Produktion von Tulpen. Sie können in Kisten auf Erde oder Wasser, im Gewächshausboden oder in Töpfen getrieben werden. Eine Verzögerung ist in Kisten bei Verwendung von Eistulpen oder Tulpen von der Südhalbkugel möglich. Und nicht zuletzt gibt es natürlich die Freilandproduktion. Bei jeder dieser Methoden unterscheidet man eine oder mehrere Kühlbehandlungen. In Abbildung 1 sind diese Methoden und die Treiberei im Freien schematisch dargestellt. Treiberei von 9°C- (vorgekühlten) und ungekühlten Tulpen in Kisten auf Erde Die Zwiebeln werden in Kisten auf Erde gepflanzt und anschließend in einem Bewurzlungsraum gelagert oder im Einschlag eingesetzt. Durch diese Methoden, bei denen die Zwiebeln die gesamte Kältebehandlung im Bewurzlungsraum oder im Freien unter natürlichen Bedingungen erfahren, werden “ungekühlte Tulpen” erzeugt. Bei den so genannten 9°C-Tulpen wird den getrockneten Zwiebeln ein Teil der erforderlichen Kühlung zugeführt, bevor sie in Kisten gepflanzt werden. Anschließend erhalten sie die restliche Kühlung. Treiberei von vorgekühlten Tulpen in hydroponischen Kisten Diese relativ neue Methode wird inzwischen immer häufiger verwendet. Für die Hydrotreiberei werden die Zwiebeln immer im trockenen Zustand vorgekühlt und entwickeln erst in den letzten Wochen der Kältebehandlung Wurzeln, wenn sie in hydroponische Kisten gepflanzt werden. Sie werden danach im Gewächshaus getrieben. Treiberei von 5°C-Tulpen im Gewächshausboden Bei dieser Methode werden getrocknete Zwiebeln während der gesamten Kühlbehandlung bei 5°C oder 2°C in einem Kühlraum gelagert. Sofort nach Abschluss dieser Kühlbehandlung werden die Zwiebeln in den Gewächshausboden gepflanzt, wo die Blumenkultur beginnen kann. Treiberei von 9°C- (vorgekühlten) und ungekühlten Tulpen im Gewächshausboden Ungekühlte Tulpen erhalten die Kühlung größtenteils oder vollständig auf natürliche Weise im Gewächshausboden. Werden die so genannten 9°C-Tulpen getrieben, erhalten diese ihre Kühlung teilweise bei 9°C im Kühlraum. Treiberei von Tulpen in Töpfen Tulpen können für die Produktion von Schnittblumen oder als blühende Topfpflanzen getrieben werden. Die für letztere verwendete Methode entspricht im Wesentlichen der Treiberei von Tulpen in Kisten auf Erde. Für die Topfproduktion erhalten die Pflanzen jedoch nach dem Einsetzen eine kürzere Kühlung, damit die Tulpen nicht so hoch werden. Verzögerte Blüte bei Kistenkultur Darüber hinaus kann die Blüte durch zwei Methoden verzögert werden. Bei der ersten werden Eistulpen verwendet. (Bei der zweiten werden Tulpen von der Südhalbkugel eingesetzt.) Im ersten Fall werden die Tulpen im Oktober/November in Kisten gepflanzt, wo sie 2 bis 4 Wochen bei 9°C Wurzeln treiben können. Nach der Bewurzlungsphase werden die Kisten mit den eingepflanzten Zwiebeln bei Temperaturen von -1,5 bis -2°C eingefroren und gelagert. Um das Austrocknen der Kisten während der Lagerung zu vermeiden, werden sie in der Regel mit Plastikfolie eingewickelt. Im September werden diese Kisten in das Gewächshaus oder an einen kühlen Ort im Freien gestellt, wo die Zwiebeln Blüten treiben. Diese Methode wird zum Treiben einiger weniger Tulpensorten im Herbst verwendet. Leider wirkt sich das leicht negativ sowohl auf die Qualität der Blüte als auch auf die Blütedauer aus. Auch Blumenzwiebeln, die auf der Südhalbkugel produziert wurden, können verzögert werden. Da sie in ihrer Entwicklung um ein halbes Jahr verzögert (oder
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